Ausstellung im Stifterhaus

"Ich möchte wissen, wo ich hingekommen bin!" Marlen Haushofer (1920-1970)

Flyer zur Ausstellung Flyer zur Ausstellung
"Ich möchte wissen, wo ich hingekommen bin", fragte sich einst Marlen Haushofer. Wir wissen es, denn wir sind beim StifterHaus in Linz angelangt, wo wir die Ausstellung anlässlich des "runden" Geburts- und Todestages der Schriftstellerin besuchen möchten.

Im Editorial des Katalogs zur Ausstellung schreibt Christa Gürtler, die sich für das Konzept der Veranstaltung verantwortlich zeichnet, dass man versuche, aus der Distanz von Jahrzehnten neue Lesearten zu Leben und Werk Marlen Haushofers anzubieten. So erstaunt es im Nachhinein kaum, dass der Ausstellungsraum mit den Exponaten auf den ersten Blick befremdend wirkt mit seinen drei Kuben, die mitten im Raum stehen und das Bild dominieren. Die Würfel stehen für die Kindheit, den Werdegang und "Die Wand", erklärt uns ein Aufsicht habender Student. Was ausserdem auf den ersten Blick auffällt: Der Raum ist hell und vermittelt ein Gefühl von Leichtigkeit. Nichts übrig geblieben von dem Mief und dem verstaubten, lähmenden Schwermut der fünfziger und sechziger Jahre. Marlen Haushofer scheint endlich in der Moderne angekommen zu sein - sie hat die sie zeitlebens umgebende Wand sturer Gedankengebäude durchbrochen. Betrachtet aus völlig neuen Positionen, befreit von etwelchen festgefahrenen Denkmustern, die sich in seit Jahren vorgegebenen, ausgeleierten Rastern bewegen. Das Konzept von Christa Gürtler ist für mich persönlich voll aufgegangen und kreiert ein frisches, von Bestehendem losgelöstes Bild Marlen Haushofers.

Die Ausstellung ermöglicht ein Erleben Marlen Haushofers mit allen Sinnen: Das Erblicken und Entdecken ihrer Werke, Tagebücher, Briefe, das Wahrnehmen ihrer Stimme und der ihrer Zeitgenossen, das Erspüren der in die Kuben eingelassenen Schubladen und Türchen, hinter denen sich  weitere Details verstecken. Es ist eine Erkundungstour wie beim Lesen eines Buches: Das Gedruckte als Offensichtliches und das Unsichtbare als individuell wahrnehmbares Gedankengut. Welche Ebene man immer auch wählt - Marlen Haushofer hat es verdient, dass man sich damit beschäftigt.

Bilderstrecke

  • StifterHaus, Linz (Foto: Andreas Bohren)
  • StifterHaus, Linz (Foto: Andreas Bohren)
  • Copyright: StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, A-4020 Linz
  • Copyright: StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, A-4020 Linz
  • Copyright: StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, A-4020 Linz
  • Copyright: StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, A-4020 Linz
  • Copyright: StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, A-4020 Linz
  • Original-Flyer zur Ausstellung
  • Original-Flyer zur Ausstellung
  • Katalog zur Ausstellung
  • Katalog zur Ausstellung
  • Katalog zur Ausstellung
  • Katalog zur Ausstellung

Informationen zur Ausstellung

Konzept: Christa Gürtler
Projektkoordination: Petra-Maria Dallinger, Regina Pintar
Organisation Margit Auli, Claudia Lehner
Ausstellungsgestaltung und Grafikdesign:
Viktoria Schlögl
Ausstellungsarchitektur, Realisation und Produktion: OWerk - Klaus Hagenauer, Wolfgang Gratt, Tom Latzel, Stefan Hofer
Grafikproduktion und Montage:1 Collage-Design
Tontechnik und Filmschnitt Franz Stögner
Ausstellungsdauer: 13. April bis 16. November 2010
Öffnungszeiten: Täglich ausser Montags, 10 bis 15 Uhr
Adresse: StifterHaus
Adalbert-Stifter-Platz 1, A-4020 Linz
Tel.: +43 (0)732/7720/11294-98
Fax: +43 (0)732/7720/11780
E-Mail: office@stifter-haus.at

Rückblick


Nachdem die Ausstellung "Ich möchte wissen, wo ich hingekommen bin" am 16. November 2010 zum letzten Mal ihre Türen schloss, zieht das Adalbert-Stifter-Institut ein positives Fazit:

Die Ausstellung „Ich möchte wissen, wo ich hingekommen bin. Marlen Haushofer 1920-1970“, die anlässlich zweier Gedenktage – 90. Geburtstag und 40. Todestag der Autorin – vom 12. April bis 16. November 2010 in der Galerie im StifterHaus zu sehen war, zählt zu den meistbesuchten Literaturausstellungen der letzten Jahre.

Inhaltlich auf drei Lebensbereiche der Schriftstellerin ausgelegt – Kindheit in der abenteuerlichen Welt der oberösterreichischen Voralpen, bürgerliche Existenz als Hausfrau, Mutter und Zahnarzthelferin in Steyr, Parallelexistenz und geistiger Austausch in der Gesellschaft von Schriftsteller-KollegInnen in Wien – regte die Ausstellung dazu an, sich erstmals oder erneut mit den Texten der Autorin zu beschäftigen und sich insbesondere neben dem literarischen Werk für Erwachsene Haushofers Romanen für Kinder zuzuwenden.

Besonders groß waren Interesse und Resonanz bei Lehrern und Schülern der AHS-Oberstufe. Zusammen mit dem zur Ausstellung erschienenen Katalog boten Führungen den 28 besuchenden Schulklassen eine Möglichkeit zum Kennenlernen der Schriftstellerpersönlichkeit Marlen Haushofer.

Ein ausgewähltes Rahmenprogramm wurde am 31. Mai mit einer eindrucksvollen Lesung der Schauspielerin Martina Gedeck aus Marlen Haushofers „Die Wand“ (320 Besucher) begonnen, von dem Vortrag „Wände und Räume. Optionen schreibender Frauen nach 1945. Marlen Haushofer und Hannelore Valencak“ der Literaturwissenschafterin und -kritikerin Dr. Evelyne Polt-Heinzl am 27. September ergänzt. Kinder im Volksschulalter begeisterten sich in verschiedenen Workshops bei der „Entdeckungsreise Literatur (28.9.-7.10.2010) für die Protagonisten aus Haushofers Kinderbüchern.

Am 29. November fanden die Rahmenveranstaltungen mit einer Live-Aufführung des HörTheaters „Der Knabe im Dschungel“ - nach einem Fernsehspiel von Marlen Haushofer - ihren vorläufigen Abschluss.

(Dieser Text wurde freundlicherweise vom Adalbert-Stifter-Institut zur Verfügung gestellt.)

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